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Ein Sandbeet anlegen – Gärtnern mit minimalen Dünger und Wassereinsatz

Der schwedische Gärtner Peter Korn, ein berühmter Staudengärtner, entwickelte ein innovatives Pflanzsystem. Die Pflanzen werden nicht, wie üblich, in Erde, sondern in Sand gesetzt. Das Anlegen und auch die Pflege begrenzen sich dabei auf einen minimalen Aufwand. Nahe Göteborg befindet sich sein (Schau-)Steingarten. Dieser mehrere tausend Quadratmeter große Garten ist voll und ganz mit dem Sandbeet-System angelegt. Die Anlage ist für jeden einfach zu realisieren, nicht teurer als „konventionelles“ anlegen und durch die Unkrauteindämmung und Wasserspeicherqualität in der weiteren Pflege sehr dankbar.

 

Auch Till Hofmann, Staudengärtner und leidenschaftlicher Pflanzenkenner, arbeitet seit einigen Jahren mit den Vorzügen des Sandbeetes.

 

Das Sandbeet funktioniert nach einem einfachen Prinzip. Die Pflanzen werden zu einem starken Wurzelwachstum angeregt. Auf die weise wurzeln sie schon bald in die darunterliegende Bodenschicht. Der Wurzelhals liegt währenddessen im lockeren Substrat. Dies ist positiv für das die Pflanze und wird von fast allen Stauden bevorzugt.

 

Durch das Abdecken der Bodensicht erhöht sich, nach Beobachtungen von Till Hofmann, Aktivität im Boden.

Ich werde es jedenfalls bei uns ausprobieren. Zuerst auf unserer Wiese vom Gasthaus. Und wenn der Versuch erfolgreich verläuft lege ich unseren Innenhof nach der Methode an. Hierrüber werde ich berichten, wenn es soweit ist.

Schritte und Tricks – so gelingt das Sandbeet:


1.     1. Anlegen

 

Pflanzen suchen Wasser und Nährstoffe. Bei der „konventionellen“ Pflanzung stehen die Pflanzen in optimalen Bedingungen. Das bewirkt das die Pflanzen ihre Wurzeln gar nicht weit ausstrecken.  Sie behalten diese nah, für kurze Nährstoffwege, bei sich. Die Wurzeln bleiben in der oberen –durch die Umwelt- wenig wasserreichen Schicht. Dies wiederum hat zur Folge das durch die weite Entfernung zu tieferliegenden feuchteren Bodenschichten der kontakt fehlt. Im Untern Boden finden, bedingt durch die fehlenden Pflanzenbestandteile weiniger Stoffwechselaktivitäten statt, die durch Bodenorganismen und im Boden lebende Tiere stattfinden.

 

Dies wird durch das Sandbeet-System vermieden und positiv/nachhaltig beeinflusst.

 

Bodenvorbereitung

 

Nach Peter Korn: Die oberste Humusschicht, auf der gesamten Beetfläche, abgetragen. Durch das Abtragen der nährstoffreichsten Bodenschicht sollen die Wurzeln angeregt werden weit in den Unterboden vorzudringen. Den Boden darunter auflockern.

 

Nach Till Hofmann: Die Grasnarbe muss nicht abgetragen oder umgegraben werden. Dies erleichtert zunächst die Arbeit. Zudem verrottet die Grasnarbe unter der späteren Sandschicht. Durch diese Zersetzung werden wertvolle Nährstoffe freigesetzt. Das dem Boden und den Pflanzen einen Nährstoffvorteil bringt.

 

Beet anlegen

 

Um eine stabile und dauernde Abgrenzung und damit gleichbleibende Sandschichthöhe zu erhalten empfiehlt es sich das Beet mit Holzbrettern/-leisten oder anderen Materialien eizufassen. Die Einfassung lieber wenige cm höher wählen als die Sandschicht. So kann auch im Sandbeet vernünftig gearbeitet werden ohne Sand über die Abgrenzung zu verlieren.

 

Nach Peter Korn:  Die Sandschicht sollte 30 cm betragen. Als Sand sollte man eine Korngröße von 0 bis 0,8 mm wählen. Vor allem darf der Sand nicht verkleben - man darf damit keinen Sandkuchen machen können.

 

Nach Till Hofmann: Die Sandschicht sollte möglichst dick, 15-20cm. Da sich der Sand mit der Zeit etwas absenkt sollte man etwas mehr ausschütten, jedoch nicht allzu viel mehr als 20cm. Rundkörniger feiner Flusssand (z.B. von Spielplätzen) aber auch kantiger Brechsand oder Estrichsand ist geeignet. Till Hofmann bevorzugt rundkörnigen Estrichsand, weil sich dadurch eine kiesartige Oberfläche ergibt.

 

Pflanzen

 

Grundsätzlich eignen sich fast alle Stauden für das Sandbeet. Optisch passen am besten Wildstauden. Prachtstauden sind aber genauso gut geeignet. Den Untergrund sieht man wegen der raschen Überwachung ohnehin wohl nicht lange. Man kann experimentieren und selber sehen was in seinem Sandbeet funktioniert. Wie auch „konventionell“ gilt es die Standortbedingungen der Pflanzen zu beachten. Zwiebelblumen, Nässe liebende Stauden oder Blumenwiesenmischungen sind allerdingst nicht geeignet. Selbst Gehölze lassen sich so pflanzen. Peter Korn hat beispielsweise eine Magnolie im Sandbeet gepflanzt.

 

Nach Peter Korn: Das klingt jetzt vielleicht etwas ungewöhnlich und fremd aber: Pflanzenwurzeln auswaschen – wie in der Hydrokultur im Zimmer. Die Pflanzen werden aus dem Topf genommen. Die Erde wird vom Wurzelballen ausgeschüttelt und danach die Wurzeln gut ausgewaschen. Auf die Weise verbinden sich die Wurzeln rasch mit dem Substrat/Sand.

 

Je kleiner die Pflanzen sind umso besser gelingt das anwachsen. Schließlich liegen die Wurzeln zunächst „nur“ im Sand und müssen erst den Weg zu den Nährstoffen finden. Besonders große Pflanzen sollte man teilen/und oder kürzen. In den ersten Wochen lassen die Pflanzen die Köpfe hängen. Dies gibt sich aber, sobald diese angewachsen sind.

 

Nach Till Hofmann: Von Ihm konnte ich keine genaue Empfehlung im Netz finden (wer eine weis kann sie gerne mitteilen, ich trage dieses nach). Ich vermute das er ähnlich vorgeht. Weil die Vorgehendweise vom Peter Korn erscheint einleuchtend und ich vermute das ein belassender Erdballen die Vorteile des Sandbeetes wiederum zunichtemacht oder zumindest stark eindämmt.

 

Giesen, die erste Zeit

 

Nach Peter Korn: Es wird nur am Beginn einmal gegossen. Die Wurzeln werden eingeschlämmt und anschließend ist die Pflanze die nächste Zeit auf sich selbst gestellt. Man muss aber auch dazu erwähnen, dass sein Garten in einer Gegend mit etwa 1400 mm Jahresniederschlag liegt. Die oberste Schicht trocknet schnell aus, damit gibt es praktisch keine Chance für Unkraut. Darunter hält der Sand hält über Wochen die Feuchtigkeit, insbesondere im darunterliegenden Boden.

 

Nach Till Hofmann: Er rät dazu die Pflanzen in der Anwuchszeit öfters zu gießen. Hierbei doch darauf achten. So wenig wie möglich und maximal so viel wie nötig. Wird, grade zu Anfang, viel gegossen streckt die Pflanze ihre Wurzeln nicht in tiefere Schichten. In Folge dessen verhindert damit die Nährstoff- und Wasseraufnahme aus tieferen Schichten nicht statt. Somit gerät das gesamte System des Sandbeetes durcheinander und der Erfolg bleibt aus.

 

     2. Pflege

 

Die größte Arbeit ist bereits erledigt. Der Pflegeaufwand ist minimalst und dürfte grade Freunde des Pflegeleichten Gartens freuen.

 

Unkraut jäten und Herbstpflege

 

Nach Peter Korn: Alle Pflanzenteile und alles Laub, im Herbst, vom Beet entfernen! Macht man dies nicht bildet sich auf dem Sand eine Humusschicht. Diese liegt auf dem Sand und hält das Wasser auf der Oberfläche und zieht es aus der Sandschicht. Die Folge wäre das der Boden und das gesamte Beet austrocknen.

 

Nach Till Hofmann: Regelmäßiges Unkrautzupfen ist dank der Sandschicht kinderleicht. Die Pflanzen lassen sich einfach von Hand aus dem Sand ziehen. Lediglich tiefwurzelnde Kräuter[FD1]  müssen mit etwas mehr Aufwand entfernt werden.

 

Gießen und Düngen

 

Nach Peter Korn: Dank seiner wasserreichen Lage muss er das ganze Jahr, nach dem ersten Anwachsen, nicht mehr gießen. Auch Düngen fällt bei ihm nicht an. Meiner Vermutung nach weil er einen Steingarten mit entsprechend pflegeleichten Stauden, angelegt hat.

 

Nach Till Hofmann: Nachdem die Anwachsphase vorbei ist reduziert sich das gießen auf ein absolutes Minimum. Es gilt weiterhin: So Wenig wie möglich, maximal so viel wie nötig.

 

Gedüngt werden muss nur in Ausnahmefällen. Dies ist wohl auf das erhalten der Nährstoffreichen Humusschicht zurückzuführen. Diese Verrottet und gibt die Nährstoffe in den gesamten Boden ab. Auch bleiben die Bodenorganismen erhalten und sorgen für weiteren Stoffwechsel, womit eine langfristige Versorgung gesichert ist.

 

Nach zwei Jahren

 

Nach Till Hofmann: Ausladende Pflanzen können normal geteilt werden.

 

Nach 7 Jahren

 

Nach Peter Korn: Über die Jahre bilden Flechten, Moos, Pollen und Staub eine zwei – drei Zentimeter dicke Schicht. Diese Schicht wirkt ähnlich wie Humus, Wasserentziehend. Aus diesem Grund solle diese nach etwa sieben Jahren abgetragen und die Sandschicht entsprechend aufgefüllt werden.

David Falkenberg

Offene Gärten Elbe-Elster-Land

12.03.2020

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